TV- und Presseberichte

Seit 150 Jahren Brot vom Bäcker Nickel
In fünfter Generation / Nauens Traditionsbetrieb feierte am Wochenende sein Jubiläum
 
Die Jahre vergehen - der Meister rund 30 Jahre jünger. Etwa 1970 ließ er sich mit der Innungslade aus der Zeit um 1700 fotografieren. Im Hintergrund befindet sich die Innungsfahne von 1926.
Foto: Archiv
Am Sonnabend war die große Feier. Ganz persönlich gratulierte Kreishandwerksmeister Hans Ziesecke Brigitte Nickel, der Altmeister hält sich zurück. Rechts Meister und Sohn Holger Nickel mit Frau.
Foto: Radon
Wolfgang Gerth
quadrat Nauen  Brot, Brötchen und Kuchen aus Nickelscher Produktion gehören zu Nauen wie das neogotische Rathaus im Zentrum oder die Antennen des Funkamtes am Stadtrand. Wohl kein "Ackerbürger" hat bei diesem Bäcker noch nichts gekauft. Und das seit 150 Jahren. Am Sonnabend feierte die "Dynastie" ihr rundes Jubiläum. Alt und Jung waren ins Altstadtcafé gekommen. Es erschienen die Verwaltungsspitzen von Landkreis und Stadt, der Handwerkskammer und der Landes-Innungen, Geschäftsfreunde und Weggefährten und, und, und... Altmeister Jochen Nickel, sonst stets darauf bedacht, dass es an Kunden nicht fehlt, hatte dieses mal wahrhaft Angst. Er befürchtete, dass das Altstadtcafé mit seinen alles in allen 100 Plätzen nicht ausreicht. Keiner der von ihm Eingeladenen hatte abgesagt. Der Altmeister und Frau Brigitte sehen sich jedoch nur als ein Ast am Stammbaum der Tradition. Alles zu verdanken sei genau genommen Adolph Friedrich Nickel, der 1852 im kleinen Nauen eine Bäckerei unter seinem Namen eröffnete. Seinem Sohn Gustav übergab er sie 35 Jahre später. Und 1934 war es nun dessen Sohn Adolf, der den elterlichen Betrieb übernahm. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, Jürgen und Jochen. Dass im heutigen Nauen beide als "reicher und armer Nickel" gelten, wissen die zwei Meister ebenso wie jene, die es weitergeben. Und sie lächeln darüber. Jürgen Nickel legte 1961 als 20-jähriger die Meisterprüfung ab und war damit der jüngste Bäckermeister im damaligen Bezirk Potsdam. Sieben Jahre später übernahm er - schließlich war er der ältere - den väterlichen Betrieb. Sein Bruder hatte sich als Bäckermeister schon ein Jahr zuvor selbstständig gemacht. Seit Anfang dieses Jahres ist der Meister jedoch im Ruhestand, natürlich ohne es versäumt zu haben, das Gewerbe seinem Sohn zu übertragen. Dieser, Holger, legte die Meisterprüfung 1992 ab. Er führt den Betrieb in die fünfte Generation - ein kleines Jubiläum nebenbei. Die Feier ist vorbei. Brot, Brötchen und Kuchen gehen heute wieder wie täglich über die Ladentische. Altmeister Jürgen Nickel beobachtet das Geschäft natürlich bis ins Detail, und nichts dürfte ihm entgehen. Obermeister der Innung des Bäcker- und Konditorenhandwerkes Osthavelland ist er schließlich noch immer.