TV- und Presseberichte

Birnenbrot, Backstein und Bahnhofsbauten
Denkmalpflege - Genussvoller Tag in alten Häusern
 
Birnenbrot der Bäckerei & Konditorei Nickel
Foto: KKuckuk
Marlies Schnaibel
quadrat Havelland | Mit Denkmalen kennt Holger Nickel sich aus. Notgedrungen. Als der Bäckermeister nämlich den Hof seines Altstadtcafés mit einer Mauer verschönern wollte, da ging er den Leidensweg aller Bauherren. „Das hat gedauert, hat sich ewig verzögert, wir sind aus dem Zeitplan geraten“, stöhnt er. Sein Haus ist zwar kein Einzeldenkmal, aber es steht in der Nauener Altstadt und die ist ein Flächendenkmal. Wer da baut, greift in ein Bodendenkmal ein. „Das hat Nerven gekostet“, gesteht Holger Nickel. Ging ihm alles viel zu langsam. Nun ist die Mauer, gefügt aus historischen Ziegelsteinen, endlich fertig.
Sonntag können die Gäste kommen. Dann beteiligt sich die Stadt am Tag des offenen Denkmals. Der steht in diesem Jahr unter dem Motto: Historische Orte des Genusses. Und dann ist Holger Nickel wieder ganz in seinem Element. Zwar wird im Altstadtcafé auch über die Altstadtsanierung informiert, aber der Hausherr will seine Gäste mit Produkten aus der Backstube bewirten.
Seit 1852 führen Nickels in Nauen eine Bäckerei. Adolph, Gustav, Adolf, Jürgen und Holger Nickel haben ihre Urkunden in die Verkaufsstube in der Mittelstraße gehängt. Hier wird auch gebacken, hier hat Holger Nickel auch sein Birnenbrot entwickelt. Die Ribbecker Birnenschnitte hatte er schon ein paar Jahre im Programm, dann wollte er aber zum Kuchen auch ein Brot anbieten. „Dafür habe ich einiges ausprobiert“, erzählt Holger Nickel. Mit frischen Birnen oder Dosenobst funktionierte das Vorhaben nicht. Zu matschig, zu viel Flüssigkeit. Also kam die Idee mit den Trockenbirnen, Walnüsse geben zusätzliche Würze. So entstand ein süßliches, aber würziges Brot. Das wird nicht nur in Nauen, sondern auch in Ribbeck gut verkauft. Marina Wesche, vielen als Nauener Botenfrau bekannt, kümmert sich darum. Sie ist vor einem Jahr mit ihrem Geschäft nach Ribbeck gezogen. „Genau die richtige Entscheidung“, sagt sie heute rückblickend. Am Sonntag ist sie allerdings in Nauen und Groß Behnitz anzutreffen. Sie gehört zum Kulturverein „Nauener Stadtgeflüster“ und der tritt Sonntag in Aktion.
In Nauen wird der Denkmaltag um 10 Uhr auf dem Hof des Altstadtcafés eröffnet. An diesem Tag feiern die Nauener die Fertigstellung der Goethestraße, das Ergebnis kann sich sehen lassen, hat aber lange auf sich warten lassen. Auf der Straße werden historische Führungen angeboten, dabei kann in geöffnete Höfe geblickt werden.
Die Nauener Heimatfreunde erzählen die wahre Geschichte „Die verpatzte Erbschaft“. Am Nachmittag treten sie in Groß Behnitz auf. Für ihre prachtvollen Kostüme sind die Nauener bekannt, am Sonntag wollen sie dort ihr Stück „Zauberhaftes Havelland – Tanz durch die vier Jahreszeiten“ zeigen. Die Aufführung beginnt 18 Uhr. Wer früher kommt, kann in der Brennerei eine neue Ausstellung über das Landgut Borsig und den Kreisauer Kreis besuchen. Ab 14 Uhr wird hier durch das Gelände mit den markanten Backsteinbauten geführt.
Markant ist auch der Bahnhof von Paulinenaue. Gastronomisch sieht es hier aber eher trübe aus. „Seit 1883 gab es hier eine Bahnhofgaststätte, die mindestens bis in die sechziger Jahre bestand“, erzählt Joachim Scholz. Ganz genau weiß er nicht, wann dort der letzte Mitropa-Kaffee ausgeschenkt wurde. Am Sonntag führt er Besucher durchs Haus, da ist zumindest ein Blick in die alte Gaststätte möglich.
Wer sich nicht mit gastronomischen Erinnerungen begnügen will, der kann am Sonntag nach Falkensee fahren. Dort lädt das Museum ein und heizt dazu den historischen Backofen an. Zum 13. Mal wird hier das Backofenfest gefeiert. Frisches Steinofenbrot gehört dann ebenso zum kulinarischen Angebot wie Heißes vom Grill.