TV- und Presseberichte

"Damit die Jugend hier bleibt"
Sozialminister Günter Baaske informiert sich in Nauen
 
Wenn schon an der Basis, dann auch richtig, sagte sich Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske gestern in Nauen. Auch von Alexandra Grunow, Lehrling im dritten Jahr in der Bäckerei Nickel, ließ er sich über den Verlauf der Ausbildung informieren.
Foto: Marko Priske
Wolfgang Gerth
quadrat Nauen  Nein, Journalistenschelte waren es nicht. Wohl aber der Hinweis, dass die plötzlich aufgetauchte Zahl 10000 nicht stimme. Berücksichtige man alle Ausbildungsformen, seien es in Brandenburg 550 junge Leute, für die es derzeit keine Lehrstelle gebe. Sozialminister Günter Baaske (SPD) gestern in Nauen: "Wenn Jugendliche lesen, dass 10000 Schulabgänger keine Lehrstelle finden, dann versuchen einige gar nicht erst, eine zu bekommen."Der Minister war ins "Altstadtcafé" gekommen, wo er sich mit Meister Holger Nickel an der Basis umschaute, wie der so genannte Ausbildungskonsens funktioniert. "Im speziellen Fall offenbar nicht schlecht", so die Meinung der Gesprächsrunde, denn die Nickels ermöglichten seit der Wende 20 jungen Leuten einen Abschluss als Bäcker und Konditor oder als Fachverkäufer. "Allerdings hatten wir insgesamt 40 eingestellt. Dass die Hälfte irgendwann aufgibt oder das Ziel nicht erreichte, ist heute leider keine Seltenheit", sagte der Meister. Und damit waren der Minister, der Landrat sowie Vertreter des örtlichen Handwerks auf ein Dauerthema gestoßen. "Die Schüler werden in den Schulen nicht ausreichend auf eine Berufausbildung vorbereitet", sagten die Meister. Besuche der Schüler in ihren Firmen, gemeinsam mit dem Lehrer, seien eine Seltenheit. Und hinzu komme noch, so Manfred Poklitar als Sprecher der Kreishandwerkerschaft, dass viele Schüler gar nicht ausbildungsfähig seien. Durchfallquoten von über 70 Prozent bei Facharbeiterprüfungen schreckten schon gar nicht mehr auf. Auch sei es nicht akzeptabel, dass sich heute in hohem Maße Abiturienten um Lehrstellen bewerben. Der Minister: "Es stimmt, die Abiturienten verderben den Ausbildungsmarkt." Nur die gute Hälfte studiere nach erreichter Hochschulreife. Und dies, obwohl Brandenburg im Vergleich zu anderen Bundesländern über sehr gute Studienbedingungen verfüge. Das Schließen der Lücke von 550 Ausbildungsplätzen nannte der Minister die "Hausaufgabe für die Sommerzeit". Zwar könne er einen Firmenchef letztlich nicht zwingen, Lehrlinge aufzunehmen, aber schon in etwa drei Jahren, und das sei sicher, werde es auf Grund des einstigen Geburtenknicks zu wenig Facharbeiter geben. Händeringend würden die Unternehmen dann nach jungen ausgebildeten Leuten suchen. "Deshalb lasst uns schon jetzt ausbilden, auch damit die Jugend hier bleibt." Für Meister Holger Nickel stellt der Ausbildungskonsens keine Drohung dar. Bundesweit hätten sich die Firmen verpflichtet, 30000 zusätzliche Lehrstellen anzubieten, dann bleibe ihnen eine Ausbildungsplatzabgabe erspart. Und er versicherte: "Ich tue, was ich kann."