TV- und Presseberichte

Bürgermeister den Zahn gezogen
Nauener feierten ihr erstes Ackerbürgerfest
 
Beim 1. Ackerbürgerfest der Stadt Nauen darf natürlich auch der Vertreter des Bäckerhandwerkes nicht fehlen.
Foto: KKuckuk
quadrat Nauen Ketzins Bürgermeister Bernd Lück zitterte. Ganz klein machte er sich, als seinem Nauener Amtskollegen beim gestrigen ersten Ackerbürgerfest am Fuße von St. Jacobi öffentlich ein Zahn gezogen wurde so wie einst im Jahre 1850. Das Fest selbst fand der Gast aus der Havelstadt "toll und richtig liebevoll". Ob er sich bei einem ähnlichen Spektakulum in der Havelstadt gleichfalls als Patient zur Verfügung stellen würde, ließ er aber offen. Groß und Klein, Alt und Jung hatten der Verein Nauener Stadtgeflüster und die Stadtverwaltung am Freitagnachmittag auf den Martin-Luther-Platz gelockt. Viele kamen in historischen Gewänder wie sie dereinst die Ackerbürger trugen. Minnesänger und Straßenmusikanten, die in etwa in diese Zeit passten, gaben ihr Bestes und die Nauener konnten sehen, wie Körbe geflochten wurden, wie Schmiede einst das Eisen formten und die Germanen Stoffe webten. Allen voran ging Marina Wesche. Als Nauener Botenfrau eröffnete sie das Fest, den Wagen ziehend wie stets gemeinsam mit ihrem Hund. Sie war es auch, die Bürgermeister Fleischmann beim Zahnziehen das Händchen hielt. Als Arzt verkörpert wurde Doktor Johann Magerstädt, eine für Nauen historische Figur. Einst wohnte dieser in der Goethestraße 41 und gehörte sogar zu den Wegbereitern etwas sanfterer Behandlungsmethoden. Kaum ein Nauener Verein fehlte auf dem Kirchplatzrund. Die Senioren, die Kleingärtner, die Bibliothekarinnen, der Behindertenverband, die IG Altstadt, die Feuerwehr, der Schützenverein und viele andere präsentierten sich an eigens aufgebauten Ständen. Parallel dazu führten die Mädchen und Jungen der 3b der angrenzenden Käthe-Kollwitz-Schule das Stück "Cinderella" auf. Es war eine moderne Form der Aschenputtel-Geschichte, mit zeitgemäßer Musik und modernem Tanz. Auch die Sprache entsprang der Neuzeit, die Moral der Geschicht' aber war wie bei den Gebrüdern Grimm: Böses lohnt sich nicht, es siegt das Gute. Und als Lokalpatriot und Nauener Urgestein erklang es aus Bernd Brees Mund: "Ich singe ohne Notenblatt, es lebe uns're Vaterstadt." Auch ein kräftiger Regenschauer konnte die Stimmung nicht trüben und die Freude auf das Abendprogramm nicht vermiesen. Lediglich Stadtbrandmeister Jörg Meier lächelte nur gequält. Er war in der heutigen Feuerwehruniform gekommen, viele aber in der recht unpraktischen von 1850. Und einer dieser Kameraden sagte: "Mensch, in 100 Jahren laufen die Geschichtsfans rum wie du heute. Und lachen sich tot."